Nokia 9 Pureview im Test: Das Smartphone mit fünf Kameras für ein Foto

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Nokia 9 PureView mit fünf Kameras auf der Rückseite.
Nokia 9 PureView mit fünf Kameras auf der Rückseite.(© 2019 CURVED)

Mit gleich fünf Kameras, soll das Nokia 9 Pureview die Smartphone-Konkurrenz beim Fotografieren hinter sich lassen. Wozu die fünf Linsen auf der Rückseite gut sind und was die übrige Ausstattung des Smartphones taugt, erfahrt ihr in unserem Test.

Streng genommen befinden sich auf der Rückseite des Nokia 9 sogar sechs Kameras neben dem Blitzlicht. Die sechste ist eine sogenannte "Time of Flight"-Kamera (ToF), die u.a. auch im Huawei P30 Pro oder dem LG G8 ThinQ steckt. Während LG sie auf der Vorderseite einbaut, um eine Gestensteuerung zu ermöglichen, nutzt Nokia die gute Entfernungseinschätzung der ToF-Kamera, um den Autofokus zu unterstützten.

Fünf Kameras und ein Co-Prozessor

Die fünf Kameras des Nokia 9 Pureview bekommen zwar einen Bokeh-Effekt hin, aber auf einen Zoom müsst ihr bei dem Smartphone verzichten. Stattdessen sollen die verschiedenen Linsen mit identischer Brennweite am Ende für eine bessere Bildqualität sorgen. Die Rohdaten dafür liefern zwei Farb- und drei Monochrom-Sensoren, wobei letztere lichtempfindlicher sind.

Beim Fotografieren überträgt nur eine Kamera ihr Bild auf das Display. Das finale, aus mehreren Einzelbildern zusammengesetzte Werk sieht in seinen Farben und Kontrasten immer etwas anders aus. Da die fünf Kameras viele Daten liefern, dauert es zudem immer mehrere Sekunden, bis ihr das finale Bild in der Galerie betrachten könnt. Dabei steht dem eigentlich leistungsstarken Snapdragon 845 noch eine extra Bild-Co-Prozessor von Light zur Seite. Negative Auswirkungen auf das Fotografieren hat die Wartezeit aber nicht. Ihr könnt quasi ohne Verzögerung weitere Bilder aufnehmen – nur sie halt nicht sofort in voller Pracht betrachten.

Beim Nokia 9 Pureview nehmt ihr immer HDR-Aufnahmen auf. Der Effekt lässt sich nicht ausstellen. Hier erweisen sich die fünf Kameras aber als kleiner Vorteil: Wo andere Smartphones mehrere Bilder hintereinander aufnehmen müssen, um aus der Belichtungsserie das fertige HDR-Bild zusammenzusetzen, schafft das Nokia 9 dies mit seinen fünf Kameras im selben Moment.

Die Farben wirken zwar nicht ganz so kräftig wie bei anderen Smartphone-Kameras, aber immer noch natürlich. Je nach Geschmack sogar natürlicher als bei manch anderem Smartphone mit KI, die an den Reglern dreht. Die Detailgenauigkeit ist sehr hoch, nimmt aber zu den Rändern hin ab. Das könnte eine Folge der fünf zusammengesetzten Bilder sein. Das ließe sich dann aber noch per Software-Update verbessern. Starke Kontraste bereiten dem Nokia 9 Pureview ebenfalls keine Probleme.

Nur eine Brennweite – Zoom gibt's trotzdem

Anders als Smartphones mit Kameralinsen mit unterschiedlichen Brennweiten, kann das Nokia 9 keinen optischen Zoom anbieten. Stattdessen verspricht Nokia einen digitalen Zoom mit deutlich weniger Qualitätsverlust als sonst üblich, da man ja deutlich mehr Bilddaten zur Vergrößerung vorliegen hätte. Bei einer zweifachen Vergrößerung, die unter Dualkamera-Smartphones der Standard ist, trifft dies auch zu. Wenn man aber den fünffachen Zoom aktiviert, nimmt die Bildqualität deutlich ab. Hier bleibt das Pureview hinter der Konkurrenz mit Tele-Linsen.

In der Nacht liefert das Nokia 9 Pureview bei Dunkelheit ordentliche Aufnahmen und kommt auch mit großen Unterschieden zwischen hellen und dunklen Bereichen zurecht. Allerdings bleibt es sowohl bei der Helligkeit als auch beim Ausgleich von Hell und Dunkel hinter der Top-Konkurrenz zurück. Hier haben aktuell das Google Pixel 3 und das Huawei P30 Pro die Nase vorn. Einziger Vorteil des Pureview: Seine Belichtungszeit fällt bei Nacht deutlich kürzer aus, so dass man es auch wagen kann, sich bewegende Motive zu fotografieren. Das geht bei den langen Belichtungszeiten der meisten Nachtmodi anderer Smartphones nicht.

Auch ohne unterschiedliche Brennweiten sammelt das Nokia 9 Pureview genug Daten, um künstliche Unschärfe auf seinen Fotos umzusetzen. Das klappt nicht nur bei Porträt-Aufnahmen, sondern bei jedem Bild mit Tiefe, erfordert allerdings, dass ihr euch in den Einstellungen der Bilder damit beschäftigt. Dafür stehen euch zudem wesentlich mehr Ebenen zur Verfügung als bei anderen Smartphones. Nokia spricht von 1200 anstelle der bisher üblichen zwölf.

Das Nokia 9 Pureview kann seine Fotos auch im Rohformat als DNG-Dateien speichern. Die RAW-Bilder sehen unbearbeitet allerdings deutlich schlechter als die JPGs aus. Diese Option lohnt sich nur, wenn ihr die RAW-Daten anschließend selber mit Lightroom oder ähnlichen Programmen bearbeitet. Der auf dem Smartphone vorinstallierte Editor sowie Google Fotos kommen mit DNG auch zurecht.

Für Selfies steht euch beim Nokia 9 Pureview nur eine Frontkamera zur Verfügung. Sie hat eine Auflösung von 20 Megapixeln und liefert sehr ordentliche Bilder mit hoher Detailgenauigkeit und natürlich wirkenden Farben. Hier könnt ihr den HDR-Modus sogar ein- und ausschalten. Bei unserem Beispielbild ist er aktiv und sorgt für einen kontrastreichen Himmel. Bei Nacht nimmt die Bildqualität spürbar ab und wenn man nicht unbedingt seine Kleidung ausleuchten will, lohnt sich der Blitz nicht.

Display mit Fingerabdrucksensor

Das 5,99 Zoll große P-OLED-Display mit einer 2K-Auflösung ist schön anzusehen. Die Farben sind intensiv, die Detailgenauigkeit hoch und die Helligkeit ist stark genug, dass man es auch bei Sonnenschein noch gut als Sucher für die Kamera verwenden kann. Weniger überzeugt der Fingerabdrucksensor, der im Display integriert ist. Er arbeitet mit einer Kamera, die versucht durch den Bildschirm hindurch die Finger zu erkennen. Das klappt in der Praxis allerdings viel zu selten. Zudem muss man sehr stark auf das Glas drücken. Da ist selbst der Sensor des OnePlus 6T besser – und der rangiert in Sachen Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit noch weit hinter dem Samsung Galaxy S10.

Der Fingerabdrucksensor befindet sich utner dem Display.(© 2019 CURVED)

Die Optik ist wie immer Geschmacksache. HMD Global ist es aber auf jeden Fall gelungen das Nokia 9 Pureview edel wirken zu lassen. Der Rahmen besteht aus Aluminium und die Rückseite aus robustem Gorilla Glass. Anders als bei vielen anderen Smartphones stehen die Kameras nicht aus dem Gehäuse hervor – und dabei ist der Handschmeichler nur acht Millimeter dick. Das gewählte Material ist allerdings ein Anziehungspunkt für Fingerabdrücke und farblich könnt ihr euch nur für Blau entscheiden.

Flotte Hardware und aktuelle Software

Auch wenn der Snapdragon 845 und die sechs Gigabyte Arbeitsspeicher des Nokia 9 Pureview bei der Bildbearbeitung kurze Wartezeiten nicht verhindern können, sind sie für alle übrigen Smartphone-Aufgaben mehr als ausreichend. Selbst grafisch anspruchsvolle Spiele wie PUBG Mobile lassen sich in höchster Grafikqualität spielen. Ähnliches gilt beim internen Speicher. Der sollte mit 128 Gigabyte in der Regel ausreichend und es sollte kein Problem sein, dass man ihn nicht mit einer Speicherkarte erweitern kann. Nehmt ihr allerdings RAW-Fotos mit dem Pureview auf, die problemlos 44 Megabyte groß sind, könnte der eigentlich ausreichende Speicher dann doch mit der Zeit knapp werden. Da hilft dann nur noch die externe Sicherung der Bilder.

Als Betriebssystem erwartet euch Android 9 Pie, wobei das Nokia 9 Pureview eines der hochwertigsten Smartphones ist, die Teil des Android-One-Programms sind. Das bedeutet, dass die Hersteller Android nahezu unverändert lassen – Nokia setzt z.B. auf eine eigene Kamera-App – und nicht mit vorinstallierten Apps voll packen. Zudem garantieren die Hersteller innerhalb von Android One zwei große Android-Updates – hier also auf Android Q und Android R – sowie Sicherheitsupdates für drei Jahre. Das ist insgesamt ein großer Pluspunkt: Keine Bloatware, Update-Sicherheit und wenn euch die Optik nicht gefällt, könnt ihr sie mit einem Launcher unkompliziert euren Vorstellungen anpassen.

Fazit

Mit seinen fünf Kameras liefert das Nokia 9 Pureview bei Tageslicht hervorragende Fotos und bietet dank der vielen Unschärfe-Ebenen sowie dem RAW-Format viele Optionen für Foto-Enthusiasten. Bei Nacht bleibt es allerdings hinter anderen Smartphones zurück – zumindest wenn es darum geht, mit einem Knopfdruck beeindruckende Bilder zu liefern.

Darüber hinaus erhaltet ihr für die unverbindliche Preisempfehlung von 649 Euro ein sehr gutes Smartphone mit ansprechender Optik und flotter Hardware sowie einer sehr guten Software. Nur der Fingerabdrucksensor im Display nervt gewaltig.


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