"FIFA 19" für die PS4 im Test: Willkommen in der Champions League

Kevin de Bruyne gehört zu den Top-Spielern in "FIFA 19".
Kevin de Bruyne gehört zu den Top-Spielern in "FIFA 19".(© 2018 EA Sports)

Die größte Neuerung in "FIFA 19" hat nichts mit Gameplay zu tun, macht die Serie aber trotzdem realistischer: In dem Spiel könnt ihr auch in der Champions League antreten. Ob dabei der Spielspaß zu kurz kommt, zeigt unser Test.

Auch 2018 gehört der aktuelle Ableger der FIFA-Serie wieder zu den größten Erfolgen in der Games-Branche. Kein Wunder. Schließlich gibt EA Sports den Spielern auch in "FIFA 19" das, was sie wollen: Original-Lizenzen. Wer mag, kann sich seinen Lieblingsverein aussuchen und mit dem Kader, der auch im echten Leben auf dem Rasen steht, um die Meisterschaft, den Aufstieg oder auch gegen Abstieg. Das findet natürlich in den Original-Ligen, also in der Bundesliga, der Primera Division aus Spanien oder in der Premier League aus England statt. Insgesamt sind in "FIFA 19" über als 30 Ligen und über 700 Teams dabei.

Europapokal! Europapokal! Eurooooopapokal!

Allein diese Lizenzen sorgen seit dem ersten "FIFA Soocer" für jede Menge Realismus. In "FIFA 19" legt EA Sports aber noch einen drauf. Das Unternehmen konnte sich zur neuen Saison die Rechte an den drei großen europäischen Pokalwettbewerben sichern: dem Super Cup, der Europa League und der Champions League. Die begehrteste Vereinstrophäe der Welt steht klar im Fokus von "FIFA 19". Das merkt ihr schon, wenn ihr das Spiel zum ersten Mal startet. Denn während im Hintergrund noch Dateien heruntergeladen werden, landet ihr bereits im Finale der Champions League und spielt direkt zum Start mit Juventus Turin oder Paris St. Germain um den Titel.

Die Champions League wird in "FIFA 19" originalgetreu abgebildet.(© 2018 EA Sports)

Direkt dabei merkt man schon: Die Kommentatoren Wolff Fuss und Frank Buschmann nehmen die Champions League immer wieder gern auf. Es wirkt manchmal aber sehr hölzern beziehungsweise bis zum Ende durch-lizenziert, wenn die beiden voller Begeisterung von der "UEFA Champions League" sprechen. Den Verband nicht zu erwähnen, scheint keine Option zu sein. Darüber hinaus gefällt das etablierte Kommentatoren-Duo aber durch passende Sprüche und viele Infos zum laufenden Geschehen und den Spielern.

Auch sonst werdet ihr in schöner Regelmäßigkeit daran erinnert, dass EA Sports euch nun (anders als Sky, DAZN oder Eurosport) das komplette Rechtepaket bietet. Die Champions League steht als eigenständiger Spielmodus zur Verfügung, ist natürlich im Karrieremodus vorhanden und bildet die zentrale Handlung im Story-Modus, bei dem ihr erneut in die Rolle des angehenden Superstars Alex Hunter schlüpft.

Die Story: Ein Fehlpass und ihr seid raus!

Dieser ist im Sommer ganz offiziell zu Real Madrid gewechselt. Motto: Wenn schon Medienzirkus um die Champions League, dann richtig. Die Königlichen haben den begehrten Cup in den letzten Jahren schließlich dreimal in Folge gewonnen. Hunter soll mithelfen, dass es auch in dieser Saison klappt. Das ist aber gar nicht so einfach, denn der Star hat private Probleme. Wie es sich für ein waschechtes Sportlerdrama gehört, überwirft er sich nach dem Wechsel mit Angehörigen. Der Aufbau einer eigenen Marke ist ihm wichtiger. Ihr könnt Alex nun auf zwei Wegen helfen: Ihr müsst in den Trainingssessions, die zwischen den Spielen stattfinden, vollen Einsatz zeigen und den Trainer überzeugen. Außerdem könnt ihr in Dialogen und Interviews jeweils Antworten auswählen, die Auswirkungen auf die Persönlichkeit und die Wahrnehmung Hunters haben.

Neu ist, dass ihr euch in Madrid erstmal mit den anderen Stars arrangieren müsst. In den sogenannten "Mentoren Challenges" geht es darum, aus Rivalen Mitspieler zu machen. In den Spielen klappt das, wenn ihr euren jeweiligen Rivalen besonders häufig anspielt und ihm per Vorlage zum Torerfolg verhelft. Habt ihr das oft genug gemacht, schaltet ihr die eigentliche Herausforderung frei: Ihr müsst in einem Mini-Spiel im Training mehr Tore als der (ehemalige) Rivale erzielen. Den Spaß dürft ihr euch gleich mehrfach geben, denn in einem mit Stars gespickten Team wie Real Madrid gibt es natürlich nicht nur einen Rivalen.

Neue Charaktere sorgen für Abwechslung

Neben Alex Hunter könnt ihr in "FIFA 19" noch zwei weitere Charakter spielen: Alex' Schwester Kim, die sich als junges Talent mit der Nationalmannschaft der USA für die WM in Frankreich qualifizieren will, und Hunters besten Kumpel Danny Williams, der in der englischen Premier League kickt und ebenfalls in der Champions League antritt. Mit beiden müsst ihr nicht spielen, wenn ihr nicht wollt. Das Spiel empfiehlt euch aber immer wieder, die Story nun mit einem anderen Charakter weiterzuspielen. Folgt man dem Pfad, hat man das Problem, dass man sich kaum mit einem der Hauptfiguren identifizieren kann. Hinzu kommt, dass die Zeitlinie manchmal durcheinander gerät, denn Alex und Danny spielen die Saison 2018/19, die WM an der Kim teilnimmt, findet dagegen im Sommer 2019 statt.

Immerhin sorgt das Gameplay im Story-Modus für Realismus. Ihr könnt entscheiden, ob ihr nur mit eurem Charakter oder mit dem gesamten Team antreten wollt und werdet für jede Aktion vom Trainer bewertet, erkennbar an der Zahl am oberen rechten Bildschirmrand. Je höher die ist, desto zufriedener ist der Coach. Spielt ihr jedoch zu viele Fehlpässe und könnt die Erwartungen nicht erfüllen, landet ihr ganz schnell auf der Bank. Das führt besonders in höheren Schwierigkeitsgraden dazu, dass man häufiger den sicheren Pass spielt anstatt auf Risiko zu gehen und ergibt eine schöne Parallele zum echten Profi-Geschäft und dem Druck, dem junge Talente heutzutage in der Bundesliga ausgesetzt. So viel zum Thema Realismus.

Gameplay: Realismus trifft Timing

Auch sonst ist "FIFA 19" in dieser Hinsicht stimmig. Dafür kann wieder das Beispiel Champions League herhalten: Vor jedem Spiel seht ihr den Einlauf der Spieler, dazu ertönt die ikonische Hymne. Alle Grafiken und Einblendungen erinnern an eine Fernseh-Übertragung. Das macht Spaß. Genauso, wie den ballführenden Spieler auf dem Rasen zu beobachten, wie sie im Vollsprint dynamisch Fahrt aufnehmen, nur um im nächsten Moment durch die Luft zu wirbeln, weil ein raubeiniger Verteidiger den herannahenden Angreifer rüde abgeräumt hat. Das sieht dank Frostbite Engine fantastisch aus.

Am Controller fühlt sich das Geschehen sehr geschmeidig an. Wer die älteren Spiele kennt, findet sich im Spiel sofort zurecht und hebelt mit ein paar Doppelpässen und einer Flanke jede Abwehr aus. Neu ist das "Timed Finishing" beim Abschluss. Wo es früher ausreichte, zum Schuss anzusetzen, braucht es jetzt das richtige Timing, um das Runde im Ecken unterzubringen. Kommt eine Flanke Richtung Stürmer, tippt ihr einmal auf den Schussknopf, ist der Spieler dann am Ball, ein zweites Mal. Je nach dem wie gut ihr die Aktion getimed habt, macht der Spieler das Tor des Monats oder rauscht erbarmungslos an der Flanke vorbei.

Ob Neymar in "FIFA 19" bald im "Fortnite"-Stil jubelt?(© 2018 EA Sports)

Auch "Active Touch" soll mehr Realismus ins Spiel bringen. Hinter dem sperrigen Fremdwort versteckt sich die verbesserte Ballan- und Mitnahme. Kommt ein schwieriger Ball auf den eigenen Spieler zu, ist es jetzt möglich, diesen per Knopfdruck leichter zu verarbeiten und aus einem vermeintlich missglückten Zuspiel doch noch eine Chance zu generieren. Darüber führt ihr den Ball nun enger am Fuß. Taktik-Nerds freuen sich außerdem über die Dynamic Tactics, über die ihr die Taktik eures Teams detaillierter selbst bestimmen und im Spiel zwischen den einstudierten Varianten hin und her wechseln könnt. So gebt ihr eurem Team einen Match-Plan mit auf den Platz und könnt individuell auf gegnerische Taktiken reagieren, ohne lange im Menü nach der passenden Antwort auf das Führungstor des Gegners zu suchen.

Völlig im Gegensatz zu den taktischen Feinheiten, dem Realismus und dem Karrieremodus steht übrigens der überarbeitete Anstoß-Modus. Wie es sich für ein anständiges Spiel in 2018 gehört, gibt es nun auch in FIFA 19 einen Survival-Modus, bei dem ihr immer dann einen Spieler aus Team verliert, wenn ihr ein Tor erzielt. Maximal vier Spieler können vom Platz gehen, wer die meisten Tore erzielt, gewinnt. Noch spaßiger wird es im Modus ganz ohne Regeln. Dann wird aus der Fußballsimulation ganz schnell ein "Mario Kart"-Ableger. Ideal für den kurzweiligen Spaß unter Freunden.

Fazit

Ganz klar: Die Champions League steht bei "FIFA 19" definitiv im Vordergrund. Das tut dem Spielspaß aber keinen Abbruch. Im Gegenteil. Fans der Serie dürften sich darüber freuen, dass es der Wettbewerb endlich ins Hauptspiel geschafft hat. Bei all dem Glamour fällt es dann auch nicht so sehr auf, dass die Story einige Lücken hat und spielerische Neuerungen in diesem Jahr eher mau ausfallen. "FIFA 19" lockt dank der vielen Lizenzen und dem tollen Gameplay vor die Konsole – und zwar länger als nur 90 Minuten.

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